Die Kommunikationswege im Internet sind kürzer und schneller geworden. Die Leser sind kritisch und haben bei der Suche nach gezielten Informationen nur wenig Zeit. Die Aufmerksamkeitsschwelle ist schneller erreicht, als bei “Zeit”-Lesern am Sonntagmorgen. Der Webtext unterscheidet sich in Form und Aufbau von Print-Texten. Für den Webtext gilt grundsätzlich: Kurz, informativ und gut strukturiert muss er sein.
Bei der Luftsportgruppe Erbslöh war ich viele Jahre für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich. Heute betreue ich die Website und schreibe für den Aeroclub NRW und hier auf meinem Blog. In meiner neuen Artikelserie berichte ich von meinen Erfahrungen und gebe Tipps für eine erfolgreiche Darstellung im Web. Teil 1 (Fotos) gibt es schon. Meine Beispiele beziehen sich jeweils auf die Nachwuchswerbung in Luftsportvereinen, sind aber sicher auch auf andere Gruppierungen übertragbar.
Die Leser
Unsere Leser sind in sozialen Netzwerken organisiert, nutzen Onlinedienste wie Twitter und Facebook, konsumieren Videoportale und abonnieren die RSS-Feeds ihrer Lieblings-Blogs. Sie sind es gewohnt das Netz nach interessanten Inhalten zu durchforsten. Sie streunen umher, klicken hier, lesen dort ein paar Zeilen und kommentieren auf Facebook.
“Kenn’ ich”, werden vermutlich viele von euch jetzt sagen. Prima! Dann wisst ihr auch, wie schwer es ist, euch an einen längeren Artikel im Netz zu fesseln. Schnell schweifen die Gedanken nach den ersten Zeilen wieder ab.
Wer gelesen werden will, muss ein paar Kniffe beherzigen. Es geht schließlich um gute Texte, treue Leser und neue Flugschüler.
Auf den Anfang kommt es an
Besonders wichtig sind die ersten Sätze. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Hier entscheidet sich, ob weitergelesen wird, ob der Text Interessantes verspricht oder nicht. Dazu bleiben uns maximal zehn Sekunden. Weitere zehn Sekunden, um zu verraten, was den Leser erwartet. Wir müssen also gleich zu Beginn mit der Sprache rausrücken. In Sekunden!
Ein guter Einstieg ins Thema kann auch in Form von Fragen formuliert werden. Fragen, die sich der Leser immer schon gestellt hat und die im Laufe des Artikels klar beantwortet werden können.
Die Überschrift
Google bewertet bei seiner Suche Begriffe in den Überschriften stärker, als Worte im Kleingedruckten. Achtet also darauf, dass potentielle Suchbegriffe in den Überschriften und im übrigen Text auftauchen. Übertreibt es hier aber nicht. Ich habe schon Überschriften entdeckt, die sich über mehrere Zeilen erstrecken, Keyword an Keyword. Das funktioniert nicht. Wichtig ist, dass die Überschrift verrät, worum es im Artikel geht, dass sie provoziert oder fragt, dass sie einlädt, weiter zu lesen. Neben einem Artikelfoto ist die Überschrift der Blickfang.
Was haltet hier von den folgenden Beispielen?
- Glück im Segelflugzeug – Anna fliegt zum ersten Mal allein
- Streckenflug: 1000 Kilometer ohne Motor über Land
- Mit 14 Pilot werden – Ausbildung zum Segelflieger
- Schwerelos über Langenfeld – Segelkunstflug zum Geburtstag
Wegweiser
Experten beobachten es: Unser Leseverhalten ändert sich. Texte am Bildschirm werden häufig zunächst nach interessanten Inhalten überflogen. Wir brauchen Wegweiser, die den Blick auf den Inhalt lenken. Gemeint sind Zwischenüberschriften, Absätze, Aufzählungen und Zitateinschübe. Davon gerne etwas mehr, als wir es von Zeitungen oder Magazinen kennen. Auch ein Foto mit Bildunterschrift lockert auf.
Die Inhalte
Bereits bei meinem Artikel über die Wahl der Fotomotive bin ich auf mögliche Themen eingegangen. Deshalb hier noch mal kurz zusammengefasst. Macht euch klar, dass es bei der Nachwuchswerbung darum geht, Gleichgesinnte zu finden. Menschen, wie du und ich, die sich vom Fliegen begeistern lassen und das Vereinsleben bereichern.
Dazu berichten wir von der Jugendgruppe und von der Begeisterung, Luftsport mit Jung und Alt zu erleben. Artikel können von der Werkstattarbeit im Winter und den ersten Starts im Frühjahr handeln. Sicher gibt es auch jemanden, der über Oster- und Sommerfreizeit schreibt. Dann erklären wir Segelflugwettbewerbe und verraten die Tricks bei einem Fünf-Stunden-Flug: Wetter, Navigation, Essen, Trinken und die Frage nach der Toilette.
Gut funktionieren O-Töne in Form von Zitaten oder einem kurzen Interview. Das lockert auf und macht die Berichterstattung lebendig. Dabei ist es weniger wichtig, ob das Geschriebene wortwörtlich so gesagt wurde. Es muss in den Satzfluss und zum Stil des Textes passen.
Hier drei Beispiele, die gerne von euch zitiert werden dürfen:
“Ein Segelflieger beschäftigt sich mit Wetter, Technik, Landschaften und lernt lebenslang. Er betreibt eine einzigartige Kombination von Einzel- und Mannschaftssport: Im Flug ist er, manchmal über viele Stunden, auf sich allein gestellt; am Boden ist er Teil eines Teams, in dem sich alle aufeinander verlassen müssen und in dem allein keiner in die Luft kommt.”
Anne Krey
“Grundsätzlich kann jeder Segelfliegen lernen – wenn er sich dafür entsprechend einsetzt. Wir unterrichten in der LSG 14-jährige ebenso wie Menschen mittleren Alters und aus allen Berufen: Schüler, Ingenieure und Handwerker”
Joël Wagner
“Segelfliegen gehört zu den anspruchsvollsten Sportarten überhaupt – und belohnt mit Eindrücken, die ein Pilot sein Leben lang nicht mehr vergisst. Diese Begeisterung zu vermitteln, ist meine Motivation.”
Joël Wagner
Die äußere Form: Typografie, Textgröße und Breite
Damit längere Texte am Monitor angenehm gelesen werden können, sind ein paar Dinge zu beachten. Allem voran die Schriftgröße. Im Webdesign könnt ihr den Trend von großer Typografie beobachten. Eine Schriftgröße von 14 bis 18 Punkten für den sogenannten Fließtext ist üblich. Nutzt keine wilden Schriftarten. Es gibt inzwischen zahlreiche tolle Webschriften, die sich für Fließtexte eignen. Die Gesamtbreite von etwa 600 bis 700 Pixeln sollte nicht überschritten werden. So kann das Auge angenehm folgen. Ein üppiger Weißraum ohne ablenkende Elemente kommt ebenfalls dem Lesen zugute.
Schreibstil
Jeder Autor hat seinen individuellen Stil. Das ist zunächst gut so. Dennoch solltet ihr ein paar Grundsätze für lesenswerte Texte beherzigen. Achtet auf kurze Sätze, verzichtet auf überflüssige Wörter. Starke Verben sind besser als sinnfreie Adjektive (z.B. blauer Himmel, strahlender Sonnenschein, weite Felder, grüne Graspiste).
Um zu beurteilen, ob der Text flüssig über die Lippen geht, hilft lautes Vorlesen. So merkt ihr schnell, wo es noch hakt. Journalisten machen das übrigens ähnlich.
Vermeidet grundsätzlich Abkürzungen, Begriffe und Zusammenhänge, die nur Flieger verstehen. Worte wie “DMSt”, “OLC”, “Vario” und “Kurbeln im Bart” müssen erklärt werden.
Für die unter euch, die noch mehr aus ihren Texten machen wollen, empfehle ich das Buch “Deutsch fürs Leben” und “Deutsch für junge Profis” von Wolf Schneider.
Praktische Apps: Evernote, iA Writer und Co
Es gibt zahlreiche Hilfsmittel, um Textideen zu sammeln und den nächsten Artikel zu verfassen. Ich nutze Evernote als modernes Notizbuch und schreibe meine Texte auf dem iPad oder Mac mit der App iA Writer. Synchronisiert wird via Cloud. So kann ich unterwegs dort anknüpfen, wo ich zu Hause aufgehört habe.
Besonders hilfreich: Für einen markierten Abschnitt wird die durchschnittliche Lesezeit angezeigt. Ich mich also grob an der 10-Sekunden-Regel orientieren. Außerdem gibt es einen praktischen Fokus-Modus, der hilft, sich auf die aktuelle Textpassage zu konzentrieren.
Wer selber schreibt, sollte auch selbst viel lesen. Dazu gibt es ebenfalls hilfreiche Apps, um RSS-Feeds zu abonnieren, interessante Seiten zu bookmarken und für später zu speichern. Hier meine persönliche Auswahl: Reeder, Readability, Instapaper und natürlich die diversen Social-Media-Apps für Facebook, Google+ und Twitter.
Wer schreibt?
Zuletzt noch ein paar Tipps für das Schreiben mit mehreren Autoren. In eurem Verein könnt ihr ein kleines Autorenteam etablieren. Das Schreiben und Veröffentlichen im Team motiviert und kann zu einem tollen Gemeinschaftsprojekt werden.
Ein Redaktionsplan stellt dabei sicher, dass Beiträge regelmäßig veröffentlicht werden können. Je nach Jahreszeit sind verschiedene Themen gefragt. Im Winter geht es um die Werkstatt- und Vereinsarbeit. Anschließend folgt die Vorbereitung auf die Saison, die ersten Starts und Ausbildungserfolge, gefolgt von Streckenflügen, Wettbewerben, der Sommerfreizeit und dem Flugplatzfest. Ganzjährig kann über neues Equipment berichtet werden.
In der Kategorie “Gewusst wie” erklären wir in Langenfeld Zusammenhänge für Neue leicht verständlich.
Das tolle am Luftsport: Wir betreiben ein faszinierendes Hobby, das sich wie kaum ein anderes eignet, um mit Begeisterung davon zu berichten. Das Schreiben braucht ein wenig Übung, bis es flüssig und ohne großen Zeitaufwand von der Hand geht. Doch ich kann euch Mut machen: Es macht unheimlich Spaß, wenn Artikel auf positive Resonanz stoßen, durch Kommentare der Leser ergänzt und im Web weiterempfohlen werden. Willkommen beim Content Marketing für euren Verein.